Nebenan

Bericht von der Informationsveranstaltung zur Erstaufnahmeeinrichtung Dölitz im Werk 2 (24.02.2015)

Für die geplante Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Dölitz fand am 24. Februar eine Informationsveranstaltung im Werk 2 in Connewitz statt. Das ehemaligen Studenten- und Lehrlingswohnheim in der Frederikenstraße 37 in Dölitz soll die Einrichtungen in Chemnitz und Schneeberg vorübergehend entlasten.

Die Landesdirektion Sachsen, als zuständige Behörde, hatte alle Anwohner und Interessierten aus der näheren Umgebung des ehemaligen Wohnheimes eingeladen.

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Fast alle Sitzplätze in der Halle A waren besetzt, als der Präsident der Landesdirektion Sachsen, Dietrich Gökelmann, mit vielen Statistiken den Einstieg gestaltete. Offensichtlich sollte damit belegt werden, dass die Landesdirektion von der Anzahl der Flüchtlinge überrascht wurde, was er im Laufe des Abends dann auch nochmal bekräftigte.

Die wohl überraschendste Aussage der Landesdirektion war, dass in der Einrichtung mit der Aufnahme von 500 Flüchtlingen geplant wird und dafür sogar über Containerlösungen nachgedacht wird. Eine menschenwürdige Unterbringung sieht anders aus. Die Planungen sehen eine Nutzung des Gebäudes frühesten ab Juli 2015 vor. Die Interimslösung ist bis Mitte 2017 geplant.

Neben den verbalen Ausfällen einer Vertreterin des Bürgervereins Dölitz, die sich Gedanken um die “Insassen” machte und damit die Flüchtlinge meinte und einigen Hobbygärtnern, die ein Sicherheitskonzept für ihren Kleingartenverein forderten, ging es aber vor allem im weiteren Verlauf des Abends um eines: wie kann geholfen werden und wie kann die Unterbringung so menschenwürdig wie möglich gestaltet werden.

Die “besorgten” Kleingärtner konnte auch der im Podium sitzende Revierleiter Südost der Polizeidirektion Leipzig, Sebastian Spreer, nicht beschwichtigen, als er erklärte, dass es im Umfeld der übrigen Einrichtungen in Sachsen keinen Anstieg der Kriminalität zu verzeichnen gab. Es sei daher auch nicht nötig eine zusätzliche Polizeistation in der Frederikenstraße einzurichten.

Weiter berichtete Andreas Konen von den Maltesern, die die Betreuung der Einrichtung übernehmen werden, von den Erfahrungen anderer Erstaufnahmeeinrichtungen, dass es darauf ankommt den von der Flucht und den Zuständen in ihrer Heimat teilweise traumatisierten Flüchtlingen zu helfen.

Neben den anwesenden Anwohnern, waren überraschend viele Politiker von Bund, Land und Stadt anwesend, die die Veranstaltung ebenfalls für kritischen Fragen und Statements nutzten. So wies Juliane Nagel, Abgeordnete des sächsischen Landtages für den Wahlkreis 28 (u.a. Connewitz, Dölitz-Dösen) darauf hin, das es um eines geht – um Menschen auf der Flucht – die unterstützt werden müssen. Und Dr. Gesine Märtens (Stadträtin für Bündnis 90/Die Grünen) lies noch in das Protokoll notieren, dass es einen Tag der offenen Tür geben soll, bevor der Betrieb im Juli startet und das eine ausreichende Kommunikation zu den Möglichkeiten der Unterstützung, zum Beispiel für ehrenamtliche Hilfe, und zum weiteren Verfahren geben soll.

Zum Schluss gab es dann doch noch eine aufgeregte Wortmeldung einer “Wütbürgerin” mit der irrigen Meinung, dass Flüchtlinge für Ihren “Luxus” nicht arbeiten gehen wollen, gar die GEZ-Gebühr geschenkt bekämen und nach der Flucht ein Handy bekommen würden – und – sie hat das alles nicht. Schade, dass hier die Chance vom Podium nicht genutzt wurde, darauf zu reagieren und dies als letzes Statement in der Halle A stehen blieb. Daher an dieser Stelle: “Ohne Arbeitserlaubnis dürfen Flüchtlinge nicht arbeiten und keine Ausbildung machen. Für Asylsuchende und Geduldete ist die Arbeit in den ersten neun Monaten ihres Aufenthalts ganz verboten. Auch danach haben sie zumeist kaum Chancen auf einen Job, weil es “bevorrechtigte Arbeitnehmer” gibt. Dies sind Deutsche, aber auch EU-Ausländer oder anerkannte Flüchtlinge.” (Zitat: proasyl.de)

Insgesamt war dies eine ausgewogenen Veranstaltung, die im wesentlichen die Nöte der Flüchtlinge im Blick hatte und fand ganz sicher mit anderen Vorzeichen und Diskussionskultur wie seinerzeit bei den Diskussionen zur geplanten Erstaufnahmeeinrichtung in Wiederritzsch statt. Weitere Infoveranstaltungen wurden von der Landesdirektion Sachsen angekündigt.

Der Süden Leipzigs zeigt eine Willkommenskultur, die nun ausgestaltet werden muss.

Auf dem Podium: Reinhard Boos (Staatsministerium des Innern (SMI), Referatsleiter), Dietrich Gökelmann (Landesdirektion Sachsen, Präsident), Stojan Gugutschkow (Stadt Leipzig, Referatsleiter Migration), Sebastian Spreer (Polizeidirektion Leipzig, Revierleiter Südost), Gerlind Berndt (Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement Leipzig I, Niederlassungsleiterin), Andreas Konen (Malteser Werke gGmbH, Regionalleiter Nord), Peter Stawowy (Moderation).

3 Kommentare

  1. Tach , !! leider war zu dieser ” Informationsveranstaltung ” die Meinung der direkten Anwohner nicht gefragt , !! Nur Irgendwelche sog. Stadtverordneten oder Politiker wurde gehört,ja es wurde auch das Wort Insasse gesagt , ( falsch gewählter Ausdruck ) , aber den rest des Statemant der Frau hättet Ihr Euch mal Anhören sollen !!! zu Dumm , das Leute nur nach rechts , oder Links Denken können !!

  2. Hallo Thomas, ich war dabei und die Mikrofone waren für alle Anwesende offen. Jeder hatte die Möglichkeit seine Meinung zu sagen oder Fragen zu stellen. Und ja, es waren viele Stadträte anwesend … aber ist das nicht ein gutes Zeichen, wenn sie sich für die Themen im Stadtteil interessieren?

    Aber das Wichtigsten ist, dass Menschen geholfen werden kann …!

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